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bthemesZeil2xSpal1.jpg Heinmot Too-Ya-La-Kekt (Donner, der über die Berge rollt) alias Chief Joseph bthemesZeil2xSpal3.jpg
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Tod als Teil des Lebens

Der Tod und das Leben waren Dinge, die für einen Indianer nicht trennbar waren. Der Indianer, der Krieger wußte, wann sein Lebenswerk vollendet war. Er wußte, wann die Erfahrungen erreicht waren, die er benötigte, um sie in sein Wissen mit einfließen zu lassen. Sein Leben in der Spiritualität ließ ihn die Dinge aus seinem ureigenen Glauben heraus betrachten. Er gehörte bei Indianern zum Lebenslauf und wurde nicht als etwas endgültiges angesehen. Der Indianer bereitete sich nicht auf den Tod vor, sondern er sagte, "Es ist soweit, Manitou ruft mich zu sich". Das war ein Zeichen, das seine Seele wußte, wann der Körper das Ende erreicht hat, und wann er den Strapazen nicht mehr gewachsen war, die die damalige Zeit forderte.

Um den anderen Dorfbewohnern nicht zur Last zu fallen, haben sich viele Krieger zurückgezogen und haben sich hingesetzt und sind in Trance gefallen. Gebrechliche Alte, die irgendwann bei Wanderungen allein zurückblieben, taten dies nicht deshalb, weil sich die Gesellschaft als unnütz entledigen wollten, sondern weil sie selbst es so wollten.

Die Vorbereitung zum Wechsel in das positive Geistige Reich, in das Indianerreich, in das Reich Manitous, bedürfte einer körperlichen und einer seelischen Reinigung. Man war bereit, die Dinge, die man erlernt hatte, mit einfließen zu lassen und man war für die nächste Inkarnation bereit. Der Übergang ins das Reich Manitous konnte sich über mehrere Tage, sogar Wochen hinweg ziehen. Es war ein so elementares Gefühl, zu wissen, das all die Dinge, die man erlernen wollte, zwar nicht vollendet, aber doch erlernt waren. Es war ein Gefühl, welches nicht täuschte.

Was wohl dauern konnte, war die Zähigkeit des Körpers. In dem Moment, wo sie wußten, daß sie sterben, nahmen sie nichts mehr zu sich. Viele Weiße haben die Indianer deswegen als grausam und barbarisch bezeichnet. Doch was ist grausamer? Das, was heute mit den Menschen geschieht oder das, was die Indianer ihnen gewehrt haben? Sie hatten keine Angst vor dem Tod. Für sie war das Sterben nichts unangenehmes. Sie sind friedlich heimgegangen, entspannt. Kein ruckhaftes Ziehen, kein Erstaunen, wenn der Körper nicht mehr funktionsfähig war. Sie sind langsam hinüber geglitten. Sie haben die Möglichkeit gehabt, von ihrem Wirt Abschied zu nehmen. Sie bedankten sich bei ihm für die Beweglichkeit, für das Anfassen der Materie, für das Handhaben, das Schmecken, das Fühlen, das Riechen. Dieses war für die Indianer eine Selbstverständlichkeit.

Sie sind mit ihrer Geburt eine Symbiose mit dem Körper eingegangen. Sie haben sich mit ihm vereint. Sie wußten, das der Körper ein Produkt der Natur ist und die Natur mußte dort bleiben, wo sie hingehört, nämlich in der Natur und die Seelen mußten dorthin zurück, wo sie hingehörten, nämlich zurück zum Geist. Nur das Wissen mitnehmend um den Geist zu speisen. Deswegen konnte der Körper nicht mitgehen, weil er ein Stück dieser Natur war. All das, was die Indianer der Natur genommen haben, mußten sie ihr auch wieder zurück geben. Die Natur hat ihnen diese Dinge gegeben, mit dem Wissen, sie in irgendeiner Form zurück zu bekommen. Heute vergißt der Mensch dieses wichtige Ereignis und mißachtet die Natur.

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