Geistwesen
Mit Geistwesen werden körperlose (im materiellen, bilogischen Sinne) Wesen bezeichnet, die sich durch ihr Bewußtsein und/oder ihre Intelligenz bzw. Emotionen als Lebewesen offenbaren. Ein Geistwesen ist Geist umhüllt von seiner Seele.
Häufig ist in der Literatur auch von Geistern als Synonymbezeichnung für Geistwesen zu lesen: Geister (Geistwesen) sind unsichtbare Mächte von personenhafter Gestalt. Sie kommen meistens in Verbindung mit einem materiellen Objekt vor, in dem sie wohnen. AhnenGeister (Geistwesen) leben beispielsweise in Ahnenfiguren oder Ahnenbildern, HausGeister (Geistwesen) mit den Menschen in deren Behausungen, TotenGeister (Geistwesen) befinden sich im Körper des Toten, in einer entsprechenden symbolhaften Figur oder einem Bild, und NaturGeister (Geistwesen) bevölkern Berge, Seen, Flüsse und andere Naturphänomene.
Etymologie ([griech.], Wissenschaft von der Herkunft / Veränderung der Wörter einer Sprache.)
Das bereits aus dem Althochdeutschen stammende Wort "Geist" hat erst in christlicher Zeit den Sinn "Dämon" angenommen. Die Heiden kannten dafür die Bezeichnung Troll, Unhold bzw. Unholdin oder Wicht. Vielleicht bedeutet "Geist" wie Seele auch das sich Bewegende bzw. Bewegte (ahd. ano, Ahn, lat. animus), daneben mögen auch antike und biblische Vorstellungen (griech. Pneuma, lat. spiritus) eine Rolle gespielt haben. Verschiedentlich wurde geäußert, das Wort könne verwandt sein mit dem gotischen "usgaisjan" (= außer sich bringen), womit "Geist" ursprünglich "Aufgeregtheit" bedeutet haben würde.
Glaube an Geister
Bei den meisten primitiven Naturvölkern ist die Geisterverehrung als eine aus Geisterglaube und damit der Furcht vor Geistern entspringende Erscheinung zu beobachten Deren letzte Ursachen sind in der Vorstellung von den geheimnisvollen, übermächtigen Kräften einer bis in ihre kleinsten Teilchen beseelten Natur oder in dem Glauben an das den Überlebenden feindliche Wirken der TotenGeister (Geistwesen) zu suchen. Der Glaube an Geister (Geistwesen) und ihr Wirken ist auch bei den Kulturvölkern mit dem Heidentum nicht etwa völlig abgestorben, sondern blieb das ganze Mittelalter hindurch bis in die Neuzeit, sogar bis zur Gegenwart lebendig. Vielfach wird er bereichert durch Bräuche, meist apotropäischen Charakters, die erst dem Christentum ihre Entstehung verdanken.
Die Beobachtung rätselhafter Vorgänge in der Natur (Wachstum, meteorologische Erscheinungen und dergleichen) wie auch im Leben des Einzelnen (Traumerlebnisse, Tod usw.) führte zu der Annahme eines Dualismus von "Gut" und "Böse" mit Bezug auf die Geister.
Aufenthaltsorte der Geister
Die alten Ägypter und Griechen dachten sich das Geisterreich bzw. Reich der Toten im Westen, wie später auch Hieronymus und Cyrill. Wie dieses Geisterreich im Westen sind die im Glauben verschiedener Völker in den Bergen existierenden Reiche der Geister (Geistwesen) ausgesprochene Totenreiche, entstanden aus dem Brauch, den als gefährlich betrachteten Toten aus dem Bereich menschlicher Behausungen hinwegzuschaffen und in den unfruchtbaren Bergen auszusetzen bzw. zu bestatten. Auf diese Weise entstand auch die Vorstellung von den Alpen als Wohnstätte der Geister. Da man des Weiteren die Höhlen der Berge als Begräbnisplätze verwendete, entstand der Glaube an ein unterirdisches Geisterreich, dessen Bewohner z.B. auch die wertvollen Metalle und Mineralien im Innern der Erde verborgen halten.
Später ging Emanuel Swedenborg in seinem Werk "De mundo spirituum et de statu hominis" ("Vom Geisterreich und dem Wohnort der Menschen") davon aus, die Geisterwelt sei weder Himmel noch Hölle, sondern ein Ort zwischen beiden, wohin der Mensch nach seinem Tod zunächst komme. Daher rührt auch der Glaube, dass die Geister (Geistwesen) zwischen Himmel und Erde (in einem Zwischenreich) schweben, das jedoch zur materiellen Welt in mannigfachen Beziehungen steht.
Einteilung der Geister (Geistwesen) nach Rang
Im Geisterreich, wo auch immer angesiedelt, werden wie auf der Erde hochgestellte wie niedere Geister (Geistwesen) unterschieden. Agrippa v. Nettesheim nennt sieben Fürsten der Geister, nach Dr. Hartliebs (Leibarzt von Albrecht von Bayern) "Buch aller verbotenen Kunst, Unglaubens und der Zauberey" (1455) trägt der oberste Fürst der Geister (Geistwesen) den Namen Salathiel. Schließlich ist aus Webers Freischütz Samiel bekannt, "Der wilde Jäger", ursprünglich also der Herr der Wilden Jagd, nämlich Wotan, der in christlicher Umdeutung jedoch zum obersten Herr aller bösen Geister (Geistwesen) geworden sei.
Einteilung der Geister (Geistwesen) nach Arten
Allgemeines
Obwohl den Geistern gewisse Eigenschaften gemeinsam sind, vor allem ihr magisches Wirken und ihr für den Menschen nützliches oder schädliches Treiben, unterscheidet auch der heutige Volksglaube trotzdem verschiedene Arten und Klassen von Geistern. Ohne dass man diese indessen scharf zu trennen vermag, sind die beiden weitaus bedeutendsten davon die beiden gewaltigen Reiche der Naturgeister, die das bewegende und Leben spendende Element in der Natur darstellen, und der Totengeister. Die Elemente beider Arten von Geistern vereinigt in sich der von der Welt der Menschen unabhängige böse Geist, der Teufel.
Naturgeister
In Wald und Feld, Berg und Tal, an den Ufern von Flüssen und Seen, an Kreuzwegen usw. sah sich schon nach altem germanischen Glauben das Volk von Geistern umgeben, die, in Bäumen, Büschen, Steinen und Quellen hausend, ursprünglich Vertreter von Naturmächten waren und dann wie die Götter persönliche Bedeutung angenommen haben, um als Feen, Kobolde und Gespenster zu dem Menschen in freundliche oder feindliche Beziehung zu treten. Solche Geister (Geistwesen) können mit ihren Wohnstätten, z.B. Bäumen, in menschliche Ansiedlungen verpflanzt werden. Die Reihe der NaturGeister (Geistwesen) wird ergänzt durch die Geister (Geistwesen) meteorologischen Charakters. Nebel- und Wolkenbildung, Regen, Wind und Gewitter sind die Folgen ihrer Tätigkeit. Sie berühren sich also nahe mit den Seelen der Abgeschiedenen, die im Sturmwind einherfahren wie in der Wilden Jagd. Deshalb treten sie häufig auch in Form eines gespenstischen Leichenzuges auf.
Totengeister
Wenn um die Gräber die Seelen der Toten schweben oder an einsamen Orten, Ruinen, Felsschluchten sich seelenartige Wesen zeigen, ist dort, weil die Seelen nicht mehr unterscheidbar sind, jede Beziehung auf einen bestimmten Einzelmenschen verloren gegangen, hier fehlte eine solche von Anfang an und wurde erst nachträglich geschaffen, indem die Sage einen Zusammenhang zwischen dem spukhaften Wesen, das zunächst nur dem Schrecken des Ortes seine Entstehung verdankt, und ehemals an solchen Orten hausenden Menschen herstellt.
Das sind die Geister (Geistwesen) im engeren Sinne, die als TotenGeister (Geistwesen) nahe der Erde lebend gedacht werden, deren Aufenthaltsort man fürchtet und meidet. Aber auch der Tote selbst als Individuum kann den Überlebenden gefährlich werden, mag er nun nach präanimistischer Auffassung als lebender Leichnam oder nach animistischer als Seele oder Totengeist sein Wesen oder besser Unwesen treiben. Man suchte deshalb seine Wiederkehr (Wiedergänger) nach Kräften zu verhindern.
Geister, die umgehen, weil ihr Leib nicht ordnungsgemäß beerdigt ist, finden Ruhe, sobald die Überreste bestattet sind. Aber auch wenn in dieser Beziehung nichts versäumt wurde, erscheinen Tote nach weit verbreitetem Glauben zu gewissen Zeiten an der Stätte ihres Erdenlebens. Die Sehnsucht nach den zurückgelassenen Angehörigen und die Sorge um ihr Eigentum, besonders wenn man sich über diesbezügliche Wünsche und Anordnungen des Verstorbenen hinweggesetzt hat, pflegen die TotenGeister (Geistwesen) wieder zur Erde zurückzurufen. Wenn diese Wiederkehr auch erschwert werden kann, ganz zu verhindern ist sie nicht, denn die Seele bleibt nach dem Tod noch eine Weile in der Nähe des Körpers. So kann sie, nach präanimistischer Auffassung den Toten selbst darstellend, sich jederzeit wieder zeigen.
Böse Geister
Die so genannten bösen Geister (Geistwesen) waren ursprünglich heidnische Götter, die durch die christliche Kirche zu Dämonen herabgedrückt wurden. Hierzu zählen Nachtmahre, Druden, Elben, Druckgeister, Succuben und Incuben sowie auch Menschenseelen, die in Unbußfertigkeit den Leib verlassen mussten. Diese bösen Geister (Geistwesen) hausen mit Vorliebe an Schauplätzen von Morden und Unglücken wie auch an Richtstätten.
Auf vielfältige Weise wissen nun diese bösen Geister (Geistwesen) die Menschen zu quälen und zu peinigen. Menschen werden durch böse Geister (Geistwesen) verführt, Frauen zum Beischlaf genötigt. Sträfliche Begierden wie auch Krankheiten werden in den Betroffenen entfacht. Wieder andere böse Geister (Geistwesen) saugen als Nachzehrer schlafenden Menschen das Blut aus oder begraben ihre Opfer bei lebendigem Leib. Vor allem haben sie es auf das Vieh und seine Milch abgesehen, indem sie die Tiere quälen und die Milch verderben. Immerhin können böse Geister (Geistwesen) guten Menschen überhaupt nichts anhaben.
Die Erscheinungsformen der Geister
Allgemeines
Die Geister, die bald wie heidnische Götterbilder aussehen, bald als rechtgläubige katholische Christen auftreten, erscheinen in menschlicher Gestalt, als Tiere, Lichter bzw. Irrlichter oder gar als leblose Gegenstände, häufig in derselben Gestalt oder in mancherlei Verwandlungen. Arme und Beine lassen sich nicht unterscheiden, ebenso wenig ein Kopf. Zuerst ist die Erscheinung winzig. Sie wächst aber mit jedem Schritt bis an den Himmel, wobei sich der Geist zuweilen auch in eine weiße Rauchwolke verflüchtigt.
Körperlose Geister
Dagegen sind die weißen Geister (Geistwesen) ausgesprochene Totengeister, wenngleich nicht überall in Europa der Zusammenhang noch klar ist. Neben den weißen erscheinen schwarze und fahle, auch bunte, aber vornehmlich schwarzweiße Geister. Es liegt auch nahe, die weißen Geister (Geistwesen) als der Erlösung nahe, die schwarzen dagegen als unerlösbare aufzufassen. Zwar heißt es, dass Geister (Geistwesen) körperlos seien, die allgemeine Anschauung ist aber die, dass die Geister (Geistwesen) wirkliche, ätherisch feine Körper haben. Diese Wesen feinster Substanz sind durchsichtig, ihr Schatten fällt nach der entgegengesetzten Seite wie beim Menschen und ihre Schnelligkeit ist übernatürlich.
Geister (Geistwesen) in menschlicher Gestalt
Die in menschlicher Gestalt erscheinenden Geister (Geistwesen) haben das Aussehen und die Beschäftigung, in der man den Verstorbenen in der Regel oder unmittelbar vor dem Tod sah. Manchmal treten sie auch in ganz altertümlicher Kleidung auf. Ermordete und Verstümmelte erscheinen mit ihren Wunden, Hingerichtete ohne Kopf oder mit dem Kopf unter dem Arm. Viele solcher Geister (Geistwesen) erscheinen auch in der Kleidung des Berufes, den sie im menschlichen Leben ausgeübt haben. Bekannt sind auch die gespenstischen Weißen Frauen, die, bevorstehendes Unglück anzeigend, mancherorts umgehen.
Geister (Geistwesen) in Tiergestalt
Zahlreiche Geister (Geistwesen) erscheinen halb als Mensch, halb als Tier. Allgemein gilt, dass tiergestaltige Geister (Geistwesen) gehalten werden. Einen Ansatz zu dieser Art Geister (Geistwesen) kann man schon bei den vogel- und pferdefüßigen Geistern sehen. Noch weit häufiger jedoch sind Geister (Geistwesen) in Tiergestalt, wobei sich jedoch gute Geister (Geistwesen) grundsätzlich nicht in Tiere verwandeln. Ein Geist verwandelt sich in ein Tier, um Menschen zu stören, zu ängstigen oder zu schädigen. Ein derartiges geisterhaftes Tier schwillt dann gern zu ungeheurer Größe an (Aufhocker), wem es erscheint, der ist am dritten darauf folgenden Tag tot. Auffällig ist, dass vorzugsweise Pferde als solche tiergestaltigen Geister (Geistwesen) auftreten. Hier ist die Verbindung zum heiligen Opfertier der alten Germanen und ihrem Götterglauben allerdings leicht herstellbar.
Einen besonderen Ruf als Geistertiere genießen auch Hund und Katze. Schwarze Hunde mit riesigen Augen pflegen einsamen Wanderern gern zu erscheinen, um sie zu erschrecken und möglichst auch in die Irre zu führen. Schwarze Katzen als typische Tiere der Hexen gehören allgemein zum bekanntesten Geisterspuk. Schließlich ist noch zu erwähnen, dass sowohl bei Indern als auch bei den Germanen der Glaube vorherrschte, besonders nagende, bohrende oder stechende Schmerzen seien von bösen Geistern verursacht, die sich als Raupen, Würmer, Kröten und dergleichen Gezücht in den menschlichen Körper einschlichen, um dort als derartige Symptome auslösende Parasiten ihr übles Werk zu verrichten. (Quelle: Data Becker Lexikon 2003)
Protokoll-Nachweis: Geistwesen in Nr.000, Geistwesen in Nr.001, Geistwesen in Nr.001di, Geistwesen in Nr.002, Geistwesen in Nr.003, Geistwesen in Nr.004, Geistwesen in Nr.005, Geistwesen in Nr.006, Geistwesen in Nr.007, Geistwesen in Nr.008, Geistwesen in Nr.009, Geistwesen in Nr.010, Geistwesen in Nr.011, Geistwesen in Nr.012, Geistwesen in Nr.013, Geistwesen in Nr.014, Geistwesen in Nr.015, Geistwesen in Nr.016, Geistwesen in Nr.017, Geistwesen in Nr.018, Geistwesen in Nr.019, Geistwesen in Nr.020, Geistwesen in Nr.021, Geistwesen in Nr.022, Geistwesen in Nr.023, Geistwesen in Nr.024, Geistwesen in Nr.025, Geistwesen in Nr.026, Geistwesen in Nr.027, Geistwesen in Nr.028, Geistwesen in Nr.029, Geistwesen in Nr.030, Geistwesen in Nr.031, Geistwesen in Nr.032, Geistwesen in Nr.033, Geistwesen in Nr.034, Geistwesen in Nr.035, Geistwesen in Nr.036, Geistwesen in Nr.037, Geistwesen in Nr.038, Geistwesen in Nr.039, Geistwesen in Nr.041, Geistwesen in Nr.043, Geistwesen in Nr.044, Geistwesen in Nr.045, Geistwesen in Nr.047, Geistwesen in Nr.048, Geistwesen in Nr.049, Geistwesen in Nr.050, Geistwesen in Nr.051, Geistwesen in Nr.052, Geistwesen in Nr.053, Geistwesen in Nr.054, Geistwesen in Nr.055, Geistwesen in Nr.056
Auszug aus dem ABC im Spiritualismus von Sternenlicht (www.Sternenlicht.org)